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Die Geschichte der Ostsee

Die Ostsee ist ein junges Meer: Erst vor rund 10.000 Jahren entstand sie nach dem Ende der letzten Eiszeit. Seitdem war sie Handelsweg, Grenze und Kriegsschauplatz und heute ein gemeinsamer Lebensraum für neun Anrainerstaaten. Hier findest du die wichtigsten Stationen ihrer Geschichte im Überblick.

Geologische Entstehung

Als das Eis der letzten Eiszeit schmolz, füllte Schmelzwasser das Becken der heutigen Ostsee. Das Meer durchlief dabei mehrere Phasen:

  1. Baltischer Eisstausee: Ein riesiger See aus Schmelzwasser am Rand des Eises.
  2. Yoldia-Meer: Eine zeitweise Verbindung zum Weltmeer ließ Salzwasser einströmen.
  3. Ancylus-See: Danach war die Ostsee wieder ein Süßwassersee, benannt nach der Schnecke Ancylus fluviatilis.
  4. Littorina-Meer: Seit etwa 8.000 Jahren fließt wieder Salzwasser über die dänischen Meerengen hinein. Die Phase ist nach der Strandschnecke Littorina benannt.

Heute ist die Ostsee ein Brackwassermeer. Sie mischt Salzwasser aus der Nordsee mit dem Süßwasser vieler Flüsse. Im Westen ist sie salziger als im Osten und Norden. Weil das Land nach der Eiszeit noch immer steigt, wird die Küste im Norden Skandinaviens bis heute jedes Jahr ein Stück größer.

Frühgeschichte und Antike

Schon in der Steinzeit lebten Menschen an der Küste und nutzten Fisch, Robben und die Wälder. In der Bronzezeit entstanden Handelswege, auf denen Bernstein von den Küsten Polens und Litauens bis in den Mittelmeerraum gelangte. Römische Autoren wie Tacitus beschrieben im ersten Jahrhundert die Völker an der Ostsee. Die Römer nannten das Meer unter anderem „Mare Suebicum“.

Wikingerzeit und Frühmittelalter

Ab dem achten Jahrhundert fuhren skandinavische Händler und Krieger über die Ostsee bis nach Osteuropa. Handelsorte wie Haithabu an der Schlei und Birka im Mälarsee wurden wichtige Märkte. Slawische Stämme siedelten an der südlichen Küste, unter anderem auf Rügen und in Vorpommern.

Mittelalter: Hanse und Orden

Im Hochmittelalter prägte die Hanse den Handel. Der Bund deutscher Kaufleute und Städte entstand im 12. und 13. Jahrhundert und blühte bis ins 15. Jahrhundert. Lübeck war die führende Stadt, dazu kamen Rostock, Stralsund, Danzig, Riga, Tallinn und Visby. Gehandelt wurden Getreide, Holz, Salz, Fisch und Pelze gegen Tuch, Wein und Gewürze. Zeitgleich eroberte der Deutsche Orden Gebiete im Osten, unter anderem im heutigen Preußen und Baltikum. Mit der Kalmarer Union (1397) schlossen sich Dänemark, Schweden und Norwegen zusammen.

Viele Hansestädte sind heute noch sehenswert, etwa Visby auf Gotland und Danzig.

Neuzeit: Kampf um die Vorherrschaft

Nach dem Niedergang der Hanse kämpften im 17. und 18. Jahrhundert Schweden, Dänemark, Russland und Polen um die Macht an der Ostsee. Schweden war unter Gustav II. Adolf zeitweise Großmacht und beherrschte große Teile der Küste. Der Große Nordische Krieg (1700 bis 1721) endete mit der Niederlage Schwedens. Russland stieg zur Großmacht auf, Zar Peter der Große gründete 1703 St. Petersburg als „Fenster zum Westen“.

19. und frühes 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert veränderten die napoleonischen Kriege und die Industrialisierung die Region. Häfen und Werften wuchsen, in Kiel und Stettin entstanden große Industrie- und Marinestandorte. Im Ersten Weltkrieg gab es Seegefechte zwischen der deutschen und der russischen Flotte. Danach wurden Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen unabhängige Staaten.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg war die Ostsee ein wichtiges Kriegsgebiet. Die Küsten waren von Deutschland, später von der Sowjetunion besetzt, und viele Städte wurden zerstört. Besonders tragisch waren die Flüchtlingstransporte über das Meer im Winter 1945. Beim Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 starben mehrere Tausend Menschen, es ist eines der größten Schiffsunglücke der Geschichte.

Kalter Krieg

Nach 1945 verlief der Eiserne Vorhang quer durch die Ostsee. Die Küsten gehörten zur NATO, zu den Staaten des Warschauer Pakts oder zu neutralen Ländern wie Schweden und Finnland. Beide Blöcke hielten starke Marineverbände in der Ostsee. Für viele Menschen aus der DDR war die Ostsee ein Fluchtweg. Viele versuchten, schwimmend oder mit kleinen Booten nach Dänemark oder Schweden zu gelangen. Die Flucht war lebensgefährlich, und viele überlebten sie nicht.

Spuren dieser Zeit findest du zum Beispiel im Langelandsfort auf Langeland, mehr dazu auf unserer Seite zur dänischen Ostseeküste.

Gegenwart

1989 bildeten rund zwei Millionen Menschen in Estland, Lettland und Litauen den „Baltischen Weg“, eine Menschenkette über mehr als 600 Kilometer. Kurz darauf fiel die Mauer. 2004 traten die drei baltischen Staaten und Polen der EU bei. Nach dem Beitritt Finnlands (2023) und Schwedens (2024) zur NATO sind bis auf Russland alle Ostseeanrainer Mitglied des Bündnisses.

Umwelt

Die Ostsee ist durch Überdüngung, Schadstoffe und Überfischung stark belastet. Weil das Wasser nur langsam ausgetauscht wird, bleiben Belastungen lange im Meer. Die Anrainerstaaten arbeiten im Rahmen der Helsinki-Kommission (HELCOM) zusammen, um die Ostsee zu schützen.

Wirtschaft und Tourismus

Die Ostsee gehört zu den verkehrsreichsten Seegebieten der Welt. Häfen wie Kiel, Rostock, Kopenhagen und Helsinki sind wichtige Wirtschaftsstandorte. Gleichzeitig zieht die Küste jedes Jahr Millionen Gäste an, etwa auf Rügen, Usedom und der Kurischen Nehrung.

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Mehr zu den Küsten der Ostsee findest du in unseren Reiseseiten: Dänemark, Schweden, Polen, Finnland und das Baltikum. Einen Überblick findest du unter Die Ostsee, passende Mode im Ostsee-Shop.

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